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Die Bewertung des Jagdverhaltens des Kelb tal-Fenek beim Coursing

VORBEMERKUNG: Bei Beurteilung des Jagdverhaltens des Kelb tal-Fenek sollte man sich vergegenwärtigen, dass beim Coursing ein Aspekt der Arbeit der Rasse getestet wird, der bei der Jagd in ihrem Ursprungsland Malta nicht die Hauptrolle spielt – die Hetzjagd auf Sicht.

Der Kelb tal-Fenek wird auf den Maltesischen Inseln zum Aufstöbern und Anzeigen von Kaninchen in extrem schwierigem Terrain eingesetzt. Die Mehrzahl der Jagden findet bei Nacht statt. Geruchssinn, Gehör und die Lernfähigkeit des Hundes spielen bei seiner Arbeit die herausragende Rolle. 

Eine komplette Hetzjagd (Aufstöbern, Verfolgung auf Sicht, Kill) stellt eher die Ausnahme als die Regel dar. Häufiger sind die folgenden Abläufe: 

  • Aufstöbern des Kaninchens durch einen Hund – Verfolgen auf Sicht – Kaninchen flüchtet sich in ein Versteck – Auslegen eines Netzes – Einsatz eines Frettchens – Fang des vor dem Frettchen flüchtenden Kaninchens im Netz  

  • Anzeigen eines verborgenen Kaninchens durch einen Hund – Auslegen eines Netzes – Einsatz eines Frettchens – Fang des vor dem Frettchen flüchtenden Kaninchens im Netz 

  • Auslegen von Netzen über typischen Verstecken (z.B. Felsspalten) – Aufstöbern eines Kaninchens durch einen Hund – Verfolgen auf Sicht – Kaninchen verfängt sich im Netz

Aufgrund der Komplexität seiner jagdlichen Aufgaben ist der Kelb tal-Fenek sehr lernfähig. Er muss in der Lage sein, sich auf das Gelände und auf das Verhalten seiner Beute einzustellen. Er muss u.a. lernen:

  • wo er seine Beute suchen muss 

  • welche Anzeichen auf versteckte Kaninchen hindeuten (Geruch, Geräusch) 

  • wo ein vom Frettchen verfolgtes Kaninchen hervorkommen könnte 

  • wo es hinflüchten könnte 

  • welchen Weg es voraussichtlich nehmen wird 

  • nach Sichtverlust mögliche Verstecke des Kaninchens herauszufinden (nicht nur mit ihrem Geruchssinn – das Kaninchen hat nur einen schwachen Eigengeruch – sondern auch durch Interpretation) 

  • Wie er aus der Arbeit anderer Hunde für sich selbst Vorteile ziehen kann

Dem jagdlichen Einsatz geht in Malta immer eine längere Trainingsphase des Junghundes unter Anleitung erfahrener Hunde voraus. Häufig bei der Jagd werden aufeinander eingespielte Paare aus einer Hündin und einem Rüden eingesetzt, seltener größere Gruppen von Hunden. 

Auf dem Coursinggelände äußert sich die Lernfähigkeit des Kelb tal-Fenek darin, dass der Hund sehr schnell die Zusammenhänge zwischen bestimmten Geländemerkmalen und dem Ablauf des Coursings erkennt und sein Jagdverhalten darauf einstellt. Diese Lernfähigkeit sollte nicht als mangelnder Jagdeifer oder Bequemlichkeit fehlinterpretiert werden, denn sie stellt einen der wenigen Aspekte aus den vielfältigen jagdlichen Verhaltensweisen und Fähigkeiten der Rasse dar, der sich beim Coursing wirklich beurteilen lässt.   

Im Folgenden werden die fünf Bewertungskriterien der gängigen Coursingsysteme (Windhund-Sportordnung des DWZRV, FCI, ASFA) im Hinblick auf die jagdlichen Verhaltensweisen des Kelb tal-Fenek kommentiert. 

JAGDLUST 

Verhalten am Start: Der Hund reagiert extrem enthusiastisch bei der Sicht auf Wild. Die Jagdlust im Wortsinne kann also bereits beurteilt werden, wenn die Hunde zum Start geführt werden und ein entsprechend ungeduldiges Verhalten an den Tag legen. 

Jagdtrieb, Verfolgungsdruck: Erfahrene Rassevertreter verfolgen das Lockmittel nur selten spurtreu. Dies kommt höchstens bei sehr jungen, unerfahrenen Hunden vor. Der stetige Druck auf das Lockmitteln äußert sich daher zumeist darin, dass die Hunde versuchen, sich in eine optimale Fangposition zu bringen, um der Beute bereits während des Laufes den Weg abzuschneiden. Dies gilt insbesondere dann, wenn deutlich erkennbare Geländebegrenzungen eine bestimmte Richtungsänderung des Lockmittels für die Hunde vorhersehbar machen. Der Hund lernt schnell, dass er – anders als bei einer Jagd auf lebendes Wild – den Weg des Lockmittels nicht beeinflussen kann, sondern dass dieser unabhängig von seinem eigenen Verhalten agiert, sich dabei aber immer innerhalb des abmarkierten Coursingfeldes bewegt. 

Laufstil, Verhalten an Hindernissen: Der Hund läuft frei und enthusiastisch (jedoch niemals tief und gestreckt wie ein Greyhound oder Whippet), wobei sich der Jagdeifer durch ein typisches Jagdgebell (maltes. „Kurriera“) äußern kann. Sein Laufstil drückt immer Aufmerksamkeit und Bereitschaft zu plötzlicher Richtungsänderung aus. Hindernisse werden ohne Zögern genommen, wenn ihre Überquerung im Rahmen einer taktisch sinnvollen Laufstrecke notwendig ist. Wenn die Geländebeschaffenheit, Begrenzungen des Coursinggeländes oder das Verhalten des Mitläufers dazu führen, dass ein Hindernis ausgelassen wird, darf dies nicht als mangelnde Jagdlust oder fehlender Mut interpretiert werden.  

Verhalten bei Sichtverlust: Bei Sichtverlust auf das Lockmittel ist eine intensive Suche zu erwarten, die sich im kreisförmigem Absuchen des Geländes oder auch im Versuch, einen besseren Überblick über das Gelände zu erlangen zeigen kann. Hierbei kann der Hund durchaus einmal stehen bleiben oder sich auf die Hinterläufe stellen, um eine optimale Übersicht zu erhalten. Eine ständige Anspannung und das Spiel der Ohren zeigen hierbei, dass der Hund die Jagd nicht aufgegeben hat. 

Fangversuche im Gelände: Bei sich bietender Gelegenheit ist immer ein Fangversuch zu erwarten. Aufgrund der Kleinräumigkeit des Jagdterrains in seinem Ursprungsland gehört der Kelb tal-Fenek nicht zu den Rassen, die versuchen, ihre Beute zu ermüden. 

Verhalten beim Fang: Der Hund fängt seine Beute direkt, wobei er beim Verlangsamen des Lockmittels leicht seitenversetzt neben der Beute läuft und sie mit gesenktem Kopf mit dem Fang aufzunehmen versucht. Nach dem Abstoppen versucht er, das Lockmittel sowohl mit dem Fang als auch mit den Pfoten festzuhalten. Die Rasse zählt zu den Paar- oder Rudeljägern, zeigt aber beim Fang der Beute kein ausgeprägtes Rangordnungsverhalten. In der Regel stürzen sich beide Hunde auf das Lockmittel. Das Verteidigen der Beute kann vorkommen. 

INTELLIGENZ 

Interpretation des Geländes: Die Fähigkeit zum „Lesen“ des Geländes stellt ein herausragendes Merkmal des Jagdverhaltens der Rasse dar. Die Lernfähigkeit des Hundes äußert sich beim Coursing u.a. darin, dass er sehr schnell die Zusammenhänge zwischen bestimmten, wiederkehrenden Merkmalen eines Coursinggeländes und dem Parcoursverlauf erkennt. Er lernt schnell, dass das Lockmittel niemals Zäune, Flatterbänder, Hecken, Buschwerk, Waldränder, Reihen parkender Autos oder Zuschauer passiert und immer im abgegrenzten Gelände bleibt. Die Aufmerksamkeit erfahrener Hunde kann also zeitweilig auf die Erfassung solcher Geländemerkmale gerichtet sein. Ist es für den Hund offensichtlich, dass das Lockmittels seine Laufrichtung ändern wird (etwa weil es in Richtung eines Zaunes gezogen wird) dann wird ein erfahrener Coursingläufer nach Möglichkeiten suchen, weiträumig abzukürzen und dem Lockmittel den Weg abzuschneiden.  

Durch sein feines Gehör ist der Hund auch in der Lage, das Geräusch der Schnur im Gelände zu orten. Wenn er einmal gelernt hat, dass dieses Geräusch mit dem Verlauf des Parcours in Zusammenhang steht, wird er auch dies in seine Versuche einbeziehen, dem Lockmittel den Weg abzuschneiden. 

Wenn dadurch der Blick zeitweilig nicht auf den Hasen gerichtet ist, dann sollte dies nicht als mangelnde Aufmerksamkeit bestraft werden, da es ein Zeichen dafür ist, dass der Hund gelernt hat, das Verhalten seiner Beute vorauszusehen. Ein Hund, der solche geländebedingten Chancen nicht nutzt und nur stetig dem Hasen folgt, ist schwächer zu bewerten als ein Hund, der sich durch stetige Interpretation des Geländes eine optimale Fangposition zu verschaffen versucht.  

Jagdintelligenz: Bei einer echten Jagd würde der Hund versuchen, die Flucht eines Kaninchens in raues, unübersichtliches Gelände (z.B. Buschwerk) zu unterbinden. Als Coursinghund lernt er jedoch sehr schnell, dass bestimmte Bodenformen (hohes Gras, Röhricht, Sturzacker) die Begrenzung eines Coursingfeldes darstellen und dass das Lockmittel vorher seine Richtung wechselt. Daher ist hier eher ein Abdecken zur entgegengesetzten Seite zu erwarten, da der Hund weiß, dass das Lockmittel früher oder später in seine Richtung gezogen werden muss. 

Rassetypische Zusammenarbeit: Der Hund jagt für den eigenen Erfolgt, berücksichtigt aber das Verhalten seines Mitläufers und entwickelt daraus die für den eigenen Jagderfolg optimale Position. Ein erfahrener Hund wird immer versuchen, auf möglichst kurzem und effektivem Weg an seine Beute zu kommen. Wenn ein schnellerer und weniger taktisch agierender Mitläufer die spurtreue Verfolgung des Lockmittels übernimmt oder wenn die Geländebegrenzung bestimmte Laufrichtung des Hasen vorhersehbar macht, dann wird er (ggf. weiträumig) abkürzen. Der erfolgreiche Versuch, auf möglichst einfachem Wege ans Ziel zu kommen, ist ein Zeichen der Lernfähigkeit des Hundes und darf nicht als Bequemlichkeit fehlinterpretiert werden. 

GESCHICKLICHKEIT 

Wendigkeit: Die Rasse jagt in ihrem Herkunftsland in extrem schwierigem Gelände. Sie besitzt hierdurch die Fähigkeit, unmittelbar und effektiv umzusetzen. 

Richtungswechsel: Erfahrene Hunde laufen nicht jede Rolle an. Seine Fähigkeit, das Gelände zu interpretieren, sich auf das Jagdverhalten ihres Partners einzustellen und aus den Umgebungsmerkmalen den Parcoursverlauf vorauszusehen, kann dazu führen, dass der Hund in größerem Rahmen agiert und einzelne Richtungswechsel des Hasen nicht mitvollzieht. 

KONDITION 

Die Rasse besitzt die Fähigkeit, in ihrem Ursprungsland über mehrere Stunden hinweg kontinuierlich und intensiv zu arbeiten. Die Anforderungen eines Coursingparcours stellen daher keine außergewöhnliche Belastung für den Hund dar. Es ist zu erwarten, dass er im letzten Teil des Parcours die gleichen koordinativen Fähigkeiten (Geschicklichkeit, Wendigkeit, Beschleunigung usw.) wie am Beginn zeigt. 

SCHNELLIGKEIT 

Bedingt durch den schwierigen Untergrund in seinem Herkunftsland hat bei dieser Rasse nicht automatisch der schnellste, sondern oft der wendigste, aufmerksamste und lernfähigste Hund einen Vorteil. Der Hund läuft niemals tief und gestreckt wie ein Greyhound oder Whippet. Im Sinne einer Erhaltung seiner rassetypischen Jagdeigenschaften sollte bei der Coursingbewertung unbedingt darauf geachtet werden, das Merkmal „Geschwindigkeit“ nicht überzubetonen, da ein übermäßig schneller Rassevertreter keine Chance hätte, eine Jagd unter den Bedingungen des Ursprungslandes unverletzt zu überstehen.  

Jan Scotland